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Mit St.Leopold in Apulien.
Gleich vorweg, es war eine wunderbare Reise. Am 3.Juli um 17 Uhr traf sich unsere Gruppe, bestehend aus erwartungsvollen 19 Personen am Flughafen. Nach 1½  Stunden landeten wir in Rom, wo uns unser Reiseleiter Antonio perfekt deutsch sprechend, weil in  Köln geboren und  aufgewachsen, empfing. Einige Zeit nach seinem Studium der Archäologie kehrte er mit seiner Familie nach Italien zurück. Er war begeisterte Apulier, humorvoll, kompetent und geschichtlich gebildet und somit der ideale Reiseleiter. Nach einer Übernachtung im „Sheraton-Hotel“, nahe dem Flughafen, ging am nächsten Morgen die Fahrt los. Unsere erste Station war Manopello mit der Klosterkirche, in der das „Volto Santo“, auch Schweißtuch der Veronika  genannt, hinter Glas im Bereich des Hochaltares aufbewahrt wird. Eine  deutsche Schwester führte uns und erzählte die Geschichte dieses Tuches. Es soll das Gesichtstuch Jesu sein, das ihm nach seinem Tode nach alter jüdischer Tradition aufgelegte Tuch sein, nicht zu verwechseln mit dem Turiners Grabtuch. Das Betrachten dieses Tuches – ob echt oder nicht – war berührend. Nach einer kurzen Andacht verließen wir die Kirche.
Die Fahrt ging zu einem weiteren Wallfahrtsort,  San Giovanni  Rotondo, der Wirkungsstätte des weit über die italienische  Grenze hinaus bekannten und verehrten Kapuzinerpaters heute Heiliger „Padre Pio“. Das Kloster liegt auf der Höhe des  Gebirgszuges Gargano. Bei Padre Pio (1887  - 1968) traten nach einem Gebet vor dem Kruzifix die Wundmale Jesu auf, die erst kurz nach seinem Tod verschwanden. Er sammelte Spenden aus aller Welt, mit denen er den Bau eines Krankenhauses finanzierte, ein Segen für die medizinisch unterversorgte Bevölkerung dieser Gegend.  
Im Jahre 2002 wurde Pater Pio heiliggesprochen. In einigen Räumen des Klosters konnte man Fotos und Gebrauchsgegenstände, seine Messgewänder und einen kleinen Raum, in dem er hilfesuchende Menschen empfing und auch die Beichte abnahm, sehen. Bei dem Altar wo er täglich die Hl. Messe gefeiert hat, haben wir mit unserem Pfarrer am Sonntag den 5. Juli eine Sonntagseucharistie zelebriert. Wegen der ständig zunehmenden Pilgerzahl wurde eine neue, große muschelförmig konstruierte Kirche gebaut, die mit ihren Kuppeln und Bogen einen lichtdurchfluteten Raum ergibt. In der Krypta befindet sich ein Glassarg mit dem Leichnam des Heiligen. Man ist zunächst geblendet von diesem zur Gänze mit Blattgold und Mosaiken ausgestatteten Raum, der mit unzähligen Ampeln eher einem Märchenpalast gleicht, als einer Grabstätte. Ob das im Sinne Padre Pios ist?
Im angenehm klimatisierten Bus erreichten wir Monte St. Angelo, einen uralten Kultplatz, an dem seit 500 Jahren der Erzengel Michael in einer unterirdischen Grotte  verehrt wird.
In Trani bewundern wir das mächtige Stauferschloss  und die Kathedrale „St.Nicola Pellegrino“, nicht zu verwechseln mit „unserem“ Hl. Nikolaus, der in Bari seine letzte Ruhestätte fand. Wir gingen auch durch das alte Judenviertel mit seinen vier aktiven Synagogen, darunter der älteste jüdische Tempel Europas. Der Hafen vonTrani war auch der Ausgangspunkt der Kreuzfahrer ins Heilige Land.
Nachmittags erwartete uns das geheimnisvolle „Jagdschloss“ Friederich II. oder Frederico secondo, Castel del Monte. 540 m über der fruchtbaren Ebene thront dieser 1240 errichtete achteckige Bau. Seiner Architektur liegt eine antike Zahlenmystik zu Grunde und soll der Sonnenbewegung durch die Sternbilder folgen. Die Historiker sind über diesen Bau verschiedenster Meinung, von Jagdschloss, Kult Bau, Labyrinth etc. reichen ihre Vermutungen. Frederico secondo ist in Apulien allgegenwärtig. Er war  vielsprachig, wissenschaftlich interessiert und aufgeschlossen , aber durchaus auch ein Realpolitiker, dem es dank seiner diplomatischen Beziehungen  zum Emir von Jerusalem gelang, ohne Blutvergießen einen Vertrag auszuhandeln, der den christlichen Pilgern den freien Zugang zu den Hl. Stätten ermöglichte.
Ein weiteres Highlight, die Felsenstadt  Matera, verlangte uns  einige Trittsicherheit ab. Aber die Mühe lohnte sich. 800 Jahre v.Chr. wurde diese Siedlung zum Schutz vor Feinden auf einer schwer zugänglichen Anhöhe erbaut. Einige Höhlenwohnungen wurden noch bis ins vorige Jahrhundert benützt. Eine davon ist als Museum zu besichtigen. Man kann kaum glauben wie  Menschen in diesen dunkeln, feuchten Behausungen, deren  einzige Licht- und Frischluftquelle eine Türe war,  leben konnten. Carlo Levi, von den Faschisten in diese Gegend verbannt, schrieb entsetzt von dem Gesehenen seinen Roman „Christus kam  nur bis Eboli“. Neben diesen Wohnungen befand sich auch die Felsenkirche St. Lucia alle Malve mit noch relativ gut erhaltenen schönen Fresken. Auch heute noch scheint mir das Leben in den  mit Strom etc. ausgestatteten Häusern mühsam genug.
Bari, Hauptstadt Apuliens mit Sitz des Erzbischofs und einer Universität, ist mit seinem Hafen nach wie vor ein wichtiger Umschlagplatz für Waren aller Art. Für uns war der Besuch der Basilica San Nicola von Myra ein weiterer Höhepunkt. In der romanischen  Krypta, in der die Gebeine des Heiligen ruhen, zelebrierte unser Herr Pfarrer eine Hl. Messe, der auch andere zum Teil orthodoxe Besucher andächtig beiwohnten, ein schönes Erlebnis. Eine am Rande der Stadt stehende  mächtige byzantinische Festung wurde  erweitert, durch wen? Frederico secondo!
Am nächsten Tag stiegen wir in die 70m tiefgelegene märchenhafte und angenehm kühle Tropfsteinhöhle, die Castellana Grotte. Weiter ging es ins  nicht minder märchenhafte Aerobello mit seinen typischen Trullis, weißgekalkten Häuschen mit kegelhaften Natursteindächern. Eine Begegnung mit einem Hobbit hätte uns nicht verwundert. Früher, Behausungen armer Leute, kann man nun diese adaptierten Häuschen als Ferienwohnungen mieten. Auf der Fahrt ins Hotel besuchten wir noch die auf einem Hügel gelegene kreisförmig angeordnete Stadt Locorotondo mit herrlichem Rundblick. Der nächste Tag brachte uns nach Brindisi, dem wichtigsten römischen Hafen der Antike. Hier endete die von Rom ausgehende Via Appia und hier steht auch die berühmte Colona Romana.
Nächste Station: Lecce auch „Florenz des Barock“ genannt. Trotz mittäglicher enormer Hitze folgen wir Antonio in die fast menschenleere wunderschöne  Altstadt mit ihrem römischen Amphitheater, den hellleuchtenden aus Leccee Kalkstein erbauten prächtig verzierte Kirchen und Palazzos. Eine Besonderheit mit langer Tradition ist die Kunst, aus Pappmaché Skulpturen (auch in Kirchen) von Heiligen, Engeln und Krippen, neuerdings aber auch Kasperlfiguren, Monster etc. herzustellen. Abends bummelten wir unter Antonios bewährte Führung in die zum Leben erwachte, zauberhaft beleuchtete Altstadt. Einziger Wermutstropfen, die Klimaanlage des Hotels funktionierte nur mangelhaft und einige Ameisen verirrten sich in ein Zimmer.
Leider näherte sich das Ende unserer Reise, wir machten Halt in Gallipolli, einer griechischen Gründung, mit reizvoller orientalisch anmutenden Altstadt mit unterirdischen  Ölmühlen. Von hier wurde das gewonnene Olivenöl früher als Lampen Öl nach ganz Europa verschifft
Nachmittags erreichten wir den südlichsten Zipfel des italienischen Stiefels, an dem sich das Ionische mit dem Adriatischen Meer trifft. Hoch über der Küste steht die Wallfahrtskirche S. Maria di Léuca, betreut von indischen Schwestern. Nach uraltem Glauben garantiert eine Wallfahrt hierher den Eintritt ins Paradies. Nach kurzer Andacht verließen wir die Kirche, genossen noch einmal die wundervolle Aussicht und verabschiedeten uns von „Finis terrae“ wie die Römer diese Landzunge nannten.
Danach ging es nach Otranto, in deren Kathedrale St. Maria Annunciata wir die weltberühmten Mosaiken aus dem 12.Jhdt. mit Darstellungen aus der Bibel und Mythologischen Szenen bewundern konnten.
Am letzten Tag unserer Fahrt nach Neapel hielten wir kurz in Benevento, wo einer der besterhaltensten  Trajanbogen steht. Hier genossen wir auch unser letztes gemeinsames Mittagessen mit italienischen Spezialitäten. Leider passierte hier aber auch eine Rotweinverschüttung, die ich sehr bedauere.
Wir erreichten abends den Flughafen, grüßten den Vesuv und verabschiedeten uns herzlich von unserem Reiseführer und Chauffeur. Beide waren großartig.
Unsere Reise bestand aber nicht nur aus Besichtigungen  mächtiger Festungen wunderschönen Kirchen und Palazzos und malerischer Altstädte, auch ein Besuch des Weingutes von Al Bano Carisi mit einer Weinverkostung war eine nette Abwechslung. Ich erinnere mich gerne an die blühenden Oleandersträucher entlang der Autobahnen, wunderschöne Landschaft, die unendlichen Olivenhaine (laut Antonio 60 Millionen Bäume) mit einigen über 1000 Jahre alten Beständen. Die Felder, auf denen Hartweizen (wichtiges Rohmaterial für sämtliche italienische Teigwaren) Tomaten und andere südliche Gemüse angebaut werden, Weingärten, Feigen-und Mandelbaumkulturen. Antonio wurde nicht müde, immer wieder auf den Fleiß der Landbevölkerung hinzuweisen. Auch die Anlagen zur Meersalzgewinnung haben wir gesehen.
Wir waren eine fröhliche, hilfsbereite, disziplinierte Gemeinschaft und bei den gemeinsamen Abendessen ging es oft recht lustig zu, manchmal gab es auch Gesang, angestimmt von Pepi Leuthner, unterstützt von Antonio und unserem Herrn Pfarrer, das „O sole mio“. Manchmal erstaunte uns die Menue-Karte mit „Türkeibraten“,“Schweinchenrehrücken“ oder“ Gemüse vergittert“, letztendlich hat alles gut geschmeckt. Besonders gerne erinnere ich mich an das erfrischende Schwimmen in hoteleigenen Swimmingpools (leider nur zweimal) und das Ausklingenlassen des Tages bei einem guten Glas Wein (oder mehreren?) in den wunderschönen Gartenanlagen.
Aber auch die morgendlichen kurzen Andachten im Bus und nicht zuletzt die rührende Versorgung unseres lieben Ottos mit Mineralwasser während der Busfahrten, machten diese Reise zu einer – wie schon erwähnt – wunderbaren.

Mit vielen freundlichen Grüßen
Christel Nadhera

10. September 2015 | Beitrag von Bernhard Thiel
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