Benutzer-Menü
Benutzername Passwort
Pfarr-ABC: HIER KLICKEN!

Aktuelles > Pfarrreise Sizilien

Pfarrreise Sizilien
„Der Ätna ist unser Herz“
Pfarrreise St. Leopold/St. Josef nach Sizilien, 1. – 8.6.2013

„Du mein Palermo, dich lieb ich innig“ singt Procida in Verdis Oper „Die sizilianische Vesper“. Wir, eine kleine, homogene Gruppe von 22 Personen (u. a. Otto S. u. Georg Scherz – Nomen est omen – die immer zu einem Spaß aufgelegt waren) konnten natürlich bei der Fahrt vom Flughafen Catania nach Palermo keine Arie schmettern, waren aber auf der langen Fahrt verzaubert von der märchenhaften Landschaft, den Berge, Felsenformationen,... Eine unbeschreibliche bunte Pflanzenwelt begleitete uns.

Begleitet von unserer kompetenten Reiseleiterin Domenica besichtigten wir sonntags Palermo. Da war der Dom mit den Staufergräbern; die Capella Palatina im Normannen-palast und der Normannen-dom in Monreale. Die Mosaike, die die ganze Kirche ausfüllen, raubten uns buchstäblich den Atem. Die Bilder hatten auf mich eine bezwingende Magie. Wir konnten die Bibel anhand der Bilder quasi „lesen“. Die Besichtigungen endeten im Kreuzgang. Kein Säulenpaar gleicht dem anderen! Viele sind reich an Mosaiken geschmückt. Die Kapitelle zeigen uns u. a. Tiere, Pflanzen, Kobolde, Greife, Ritterkämpfe, „Wilhelm bringt der Mutter Gottes seinen Dom dar“. Ich muss aufhören, sonst komm ich total ins Schwärmen.

Weiter ging´s auf den Hausberg Palermos den Monte Pellegrino. In einer natürlichen Felsenhöhle befindet sich die Wallfahrtskirche der Hl. Rosalia, die hier als Einsiedlerin gelebt haben soll. Hier hatten wir unsere Messe, bei der der Herr Pfarrer das Evangelium und die Predigt wegen einer plötzlichen Änderung in hervorragender italienischer Sprache hielt. Leider verstanden wir nichts. Nur bei Otto S., der ministrierte, hatten wir das Gefühl er verstünde alles! Mit seinen Sandalen, der Kutte u. dem schräg gehaltenen Kopf wirkte er, als wäre er schon auf dem Weg zur Seligkeit. Die Hl. Rosalia hielt ganz sicher ihre schützende Hand über Gerti Sch., denn die hatte nach der Lesung eine Marmorstufe übersehen und konnte sich erst im letzten Moment am Altar fangen.

Nach Tempel und griech. Theater-Besichtigung in Segesta landeten wir in Erice. Ein mittelalterliches Städtchen, das zum größten Teil von den Sizilianern wegen der kühlen Luft nur zum Wochenende bewohnt ist. Uns war kalt! Erice ist sozusagen ein kleines Zentrum für typische, sizilianische Mandel-konfekte. Bei der großen Auswahl u. dem herrlichen Geschmack vergaßen wir unsere Gewichts-sorgen! Nach Besichtigung einer Weinkellerei in Marsala gab es natürlich auch eine Weinverkostung.

Sizilien ohne griech. Kultur ist faktisch unmöglich. Wir bestaunen im Tal der Tempel viele Tempeln und Ausgrabungen. Waren wir überhaupt noch in Italien? Zu Mittag speisten wir in einem urigen Lokal. Es gab Antipasti ohne Ende, immer wieder wurden uns neue Variationen serviert. Gerne hätten wir noch länger die Vielfalt der Speisen genossen, doch es ging weiter nach Piazza Armerina zur römischen Villa del Casale mit ihren berühmten Mosaiken. Die ganze röm. Kultur spiegelt sich in den Mosaiken wieder. Über Wandelgänge konnten wir auf Grund der gut erhaltenen Mosaiken den Zweck der Räume feststellen, z. B. das große Jagdzimmer mit Elefanten, Flusspferde, Löwen, Nashörner etc., das kleine Jagdzimmer mit z. B. Fuchs, Wildschweinen, Hirschen usw. Einen Raum greife ich noch aus den 40 Räumen heraus. Der Raum der Bikinimädchen, ein Gymnastikraum in dem Mädchen mit Bikinis, Turnübungen wie Gewichtheben, Diskuswerfen etc. ausüben. Von den vielen Eindrücken etwas ermüdet fuhren wir nach Giardini Naxos in unser „neues“ Hotel in einer malerischen Landschaft.

Syrakus stand am nächsten Tag am Programm. Entlang des Meeres gingen wir die Promenade entlang, Yachten, die vor Anker lagen säumten unseren Weg. Otto schien anscheinend nicht sehr vertrauenserweckend gewirkt zu haben, denn während er eine prächtige Yacht betrachtete, kam sofort eine Frau aus dem Schiff, hängte eine Kette vor den Steg und ein Schild mit dem Aufdruck „PRIVAT“.

Die Kathedrale am Hauptplatz mit ihrer doppelten Säulenordnung und auf der Freitreppe Statuen von Apostel Petrus und Paulus war sehr interessant. Paulus war ja auf dem Weg nach Rom 3 Tage in Syrakus. Die Besichtigung der Archäo-logischen Zone konnten wir natürlich nicht außer acht lassen. Besonders beein-druckend war das griech. Theater und das „Ohr des Dionysios“ – eine hohe, künstliche Grotte im Steinbruch, sie diente dem Tyrannen Dionysos als Gefängnis und hat eine außergewöhnliche Akustik (Bespitzelung). Nicht weniger beeindruckend waren die drei frühchristlichen Katakomben.

Den Abschluss des Tages bildete der Besuch der modernen Kirche der Muttergottes der Tränen. Das Gipsbild Mariens einst in einer einfachen Wohnung, begann 1953 zu weinen, immer wieder, Ärzte analysierten die Flüssigkeit – es ist die gleiche Zusammen-setzung wie menschliche Tränen!

Als wir uns zur Abfahrt sammelten fehlte unser werter Herr Pfarrer. Mit der Zeit hatten wir Angst, dass er vielleicht entführt worden wäre, als er endlich auftauchte, meinte er, es sei eben alles relativ. Domenica hatte gesagt er müsse rechts abbiegen, aber von welcher Seite betrachtet – Na, ja! Allerdings eine kleine Entschuldigung lassen wir gelten, da war eine Nonne beim Kauf der Heiligenbildchen äußerst umständlich, aber gleich in die falsche Richtung gehen? – Schwamm darüber.

Hoch in den Bergen waren wir bei der byzantinischen Madonna in Tindari, eine sehr beliebte Wallfahrtskirche. Der Blick in die Tiefe zu den Sandbänken u. die Weite zu den Äolischen Inseln war uns wegen Nebel leider verwehrt. Beim Mittagessen war uns richtig frisch. Auf der Heimfahrt über die Berge rasteten wir kurz in einer der 13 „Toten Städte“ Mussolinis.
Der wollte nämlich die einsame Gegend besiedeln und baute vor dem 2. Weltkrieg Dörfter mit allem „Drum und Dran“ Kirche, Schule, Wohnhäuser, Gemeindeamt etc. Sie wurden nie bewohnt! Irgendwie war es unheimlich, Türen u. Fenster wurden später von der Bevölkerung „ausgebaut“. Heute dienen die Gebäude den Hirten und ihren Tieren. Wir fantasierten, was wäre, wenn wir so ein Dorf wieder beleben würden. Da wurde Pepi L. der Bürgermeister, Otto S. übernahm die Post, Ilse Hammer das Bankwesen usw. Bei der Heimfahrt über Novara legte Domenica eine CD mit uralten Schlagern (Schurike, Valente) ein. Wir sangen kräftig mit, über unsere Singqualität schweigt die Chronik.

Der letzte Tag brach an und der Ätna rief! Bequem erreichten wir mit dem Bus den Ausgangspunkt in 1923 m Höhe. Wer wollte, fuhr mit der Seilbahn in 2500 m Höhe, vorbei an Schiliften, Schneewächten, wie durch eine bizarre Mondlandschaft ging die Wanderung los. Manche, die noch Zeit übrig hatten, umrundeten den kleinen, erloschenen Krater Silvestri. Welch ein Gegensatz bei der Abfahrt: Die Straße führte vorbei an schwarzen Halden von Asche u. erstarrtem Lavagestein, Häusern von denen man nur mehr das Dach sah und nun durch Orangenhaine fahrend kamen wir in einer Orangenplantage an. Nach einer köstlichen Stärkung hörten wir bei einem Rundgang durch die Azienda über die Arten, die Vermarktung von Orangen, Mandeln u. Oliven.

Taormina war unsere letzte Station. Dieses mittelalterliche, terrassenförmige auf einem Hang gebaute Städtchen ist so schmal, dass kein Bus zum Fahren Platz hätte. Das griech. Theater mit seiner traumhaften Aussicht aufs Meer, der Isola bella, den Ätna ist einfach überwältigend. Von der Porto Messina bis zur Porto Catania spazierten wir durch den Corso Umberto, gesäumt von noblen Geschäften, enge Gassen die meist durch Treppenwege verbunden sind. Der Abschied war da! In Catania besuchten wir noch den Dom u. den berühmten Fischmarkt. Goethe fragt: „Kennst du das Land wo die Zitronen blühen?“ Trotz Durchquerung der Insel muss ich eigentlich mit nein antworten. Es gäbe noch so viel zu sehen.
Nun es ist ja noch nicht aller Tage Abend.

Ciao a presto!
Gerda Messinger